Wenn eine Mutter spürt, dass etwas nicht stimmt: Unser Weg durch den Diagnose-Dschungel

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Hinweis vorab: Dieser Beitrag spiegelt ausschließlich meine Persönlichen Erfahrungen und Beobachtungen als Mutter wider. Er dient dem Erfahrungsaustausch und ersetzt keine medizinische Behandlungen oder Medikationen niemals ohne Rücksprache mit einem Facharzt an.

Als mein Kind noch klein war, fiel mir zum ersten mal auf, dass ich ihn nach dem Mittagsschlaf kaum beruhigen konnte. Er stand quengelig auf und war undröstlich. Er wollte zwar, dass ich zu ihm komme, aber ich durfte ihn weder ansprechen noch anfassen. Er suchte einfach nur meinen Nähe. Also machte ich immer die Tür auf und wartete geduldig, bis er von alleine zu mir kam.

In dieser Zeit war er eigentlich ein glückliches, lebhaftes und neugieriges Kind. Doch er hatte eine auffend geringe Fremdenfurcht. Zudem fing er an, aus meiner Sicht auffällig oft mit den Augen zu blizeln und sich ständig zu räuspern, was mich stutzig machte.

Im Kindergarten wurde ich dann das allererste Mal darauf angesprochen, ob er vielleicht ADHS hätte. Ich wollte es zuerst nicht glauben. Der Gedanke blieb so lange im Raum stehen, bis mich mein Ex Partner ansprach und mir vorschlug, eine fachliche Testung machen zu lassen.

Ich stimmte zu, und nach der Untersuchung hatten wir es schwarz auf weiß: Die Diagnose lautet ADHS.

Es wurde uns eine Medikation vorgeschlagen, der ich nur sehr ungern zustimmen wollte. Doch man erklärte mir, dass es ihm guttun und ihm helfen würde, sich in der Schule besser zu konzentrieren. Also vertraute ich den Fachleuten und stimmte zu.

Er kam in die Schule und es lief ein paar Wochen gut – bis die erste Beschwerde der Lehrkraft kam. Es hieß, er würde den Unterricht stören und sei zu laut.

Ich suchte erneut die Stelle auf, die uns die ADHS-Diagnose gegeben hatte. Mein Kind wurde daraufhin ein weiteres Medikament verschrieben.

Nach etwar einen halben Monat fielen mir plötzlich starke Tics beim ihm auf. Er bewegte seinen Kopf immer zu seite, bekam Zuckungen, zuerst in den Armen und dann in den Beinen.

Auf meine besorgte Nachfrage in der Praxis hieß es nur, das sei normal und er müsse sich erst an die Medikamente gewöhnen. Also nahm ich es so hin.

Doch in der Folgezeit wurde es für uns immer schlimmer. Es ging so weit, dass er sich alleine gar nicht mehr anziehen konnte und ich ihm helfen musste.

Auch in der Schule wurde sein Verhalten immer schwieriger. Ich war verzweifelt und wusste nicht mehr weiter, bis ich mich entschloss, mit ihm in einer Tagesklinik zu gehen.

Dort stellten die Ärzte nach einer Untersuchung eine neue Diagnose fest: Tourette-Syndrom.

Unter der dortigen ärztlichen Begleitung wurden die Tabletten abgesetzt, und ich atmete auf, als die Tics endlich wieder besser wurden.

Mein Kind wechselte ab da auf einen andere Schule, in der er sein durfte, wie er war. Er wurde endlich verstanden.

Aber leider nicht lange.

Er lernte dort aus meiner Sicht nicht viel und war unterfordert. Die Frustation zeigte sich zu Hause: Er fing an zu beleidigen und wurde agressiv, dass auch einiges kaputtging.

Es zehrte unheimlich an meinen Nerven und machte mich unendlich taurig, ihn so sehen zu müssen.

Es dauerte nicht lange, da kamen auch schon wieder die gefürchteten Anrufe der Lehrer. Er verweigerte oft seine Aufgaben oder wollte das Klassenzimmer nicht betreten.

Es war so schwer für mich, dass ich nachts kaum noch schlafen konnte. Nervlich zeigte ich selbst schon Symtome wie Schwindel und heftiges Augenzucken durch den Schlafmangel und den permanenten Stress.

Ich hatte nur noch Angst, wenn mein Handy klingelte. Schon wenn ich den Namen von der Schule auf dem Display las, bekam ich sofort Bauchschmerzen.

Ich war einfach nur froh, wenn endlich Ferien waren.

In mir schrie alles: “Es stimmt etwas nicht. Er lebt in einer anderen Realität und hat eine ganz andere Denkweise als wir!”

Ich dachte, schlimmer kann es nicht werden, doch da habe ich mich geirrt.

Wir sind vor ein paar Jahren umgezogen und mein Sohn musste wieder die Schule wechseln.

Am Anfang lief es gut. Mein Kind machte Fortschritte beim Lernen und war nicht mehr unterfordert.

Doch das hielt nicht lange an.

Nach den Ferien begann das genaue Gegenteil. Es lief überhaupt nicht mehr gut. Er bekam eine Starafarbeit nach der anderen und musste nachsitzen.

Er verweigerte oft die Schule, was für mich jeden Morgen einen riesgen, kräftezehrenden Kampf bedeutete, ihn überhaupt dorthin zu bekommen.

Es ging so weit, dass es auch zu Hause wieder eskalierte. Oft musste ich mir von meinem Kind den Vorwurf anhören, ich würde immer nur auf der Seite der Schule stehen.

Das zeriss mir jedes Mal das Herz.

Ich steckte in einer Zwickmühle: Als Mutter trug ich die Verantwortung, meinem Kind zur Schule zu schicken, aber ich wollte mein Kind doch einfach nur verstehen.

Ich merkte, dass die Lehrkräfte immer mehr von ihm verlangten, als er geben konnte – obwohl er beim Lernen schon einen riesigen Schritt gemacht hatte.

Ich versuchte in Elterngesprächen, die Situation zu erklären. Ich sagte, dass er überfordert ist und aus meiner Wahrnehmung heraus die Dinge anders aufnimmt.

Doch leider wurde ich wieder nicht ernst genommen.

Es tat so weh, weil ich mein Kind so gut verstanden habe, ihn aber nicht helfen konnte. Und er dachte gleichzeitig, ich sei in dieser schweren Zeit nicht für ihn da.

Ich beschloss, mir Hilfe zu holen.

Das war unglaublich herausfordernd, aber ich habe es geschafft!

Ich bin richtig stolz auf mich, weil ich es ganz alleine angepackt und mir richtige Unterstützung gesucht habe.

Ich veranlasste einen neue, umfassende Testung und bat darum, diesmal ganz genau hinzuschauen.

Und schließlich bestätigte sich mein inneres Gefühl: Es wurde zusätzlich eine Autismus-Spektrum-Srörung festgestellt.

In diesem Moment ist mir ein riesiger Stein vom Herzen gefallen.

Endlich hatte ich die Gewissheit für das, was ich schon die ganze Zeit gefühlt habe.

Heute bin ich unendlich dankbar, das von seinen Tics fast nichts mehr zu sehen ist.

Ich bin erleichtert, dass mein Sohn mit der richtigen fachlichen Diagnose nun endlich die Hilfe bekommen kann, die er wirklich braucht.

Ich werde weiter an seiner Seite stehen und ihm alles geben was er benötigt.

Nämlich eine Mutter, die für ihr Kind kämpft – egal, wie hoch die Hürden im Leben auch sein mögen.

Hinweis:

Dieser Beitrag erzählt ausschließlich von meinen persönlichen Erfahrungen als Mutter und von unserem individuellen Weg. Er dient der mentalen Unterstüztung und dem Austausch für andere Eltern. Meine Schilderungen – insbesondere zu Diagnosen, Verhaltensweisen und dem Umgang mit Medikamenten – sind rein subjektiv. Sie ersetzen keinesfalls eine professionelle medizinische, therapeutische oder psychiatrische Beratung, Diagnose oder Behandlung durch Fachärzte.

Bitte verändern oder setzen Sie niemals eigenständig Medikamente ab oder an, sondern besprechen Sie jeden medizinischen Schritt mit dem behandelnden Arzt Ihres Kindes. Die Umsetzung oder Nachahmung der hier geschilderten Erfahrungen erfolgt auf eigene Verantwortung. Jedes Kind und jede Familie ist einzigartig.

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